Mit dem Erwachsenwerden wurde der Karneval zu Bewegung, Lärm und Freude. Später, als Jugendlicher, wurde er zur Erwartung. Ich wartete auf den Tanz.
Die Musik der Reta ging mir unter die Haut. Es war die Zeit, in der Jungen und Mädchen aus den Nachbardörfern kamen. In einem Tal, in dem man oft monatelang immer dieselben Menschen sieht, öffnete der Karneval ein Fenster, durch das neue Möglichkeiten im Tanzschritt hereinkamen.
Ich habe gesehen, wie Paare in diesen Tänzen entstanden, Verlobungen, die unter dem Lachen des Publikums angekündigt wurden und im Jahr darauf zu Hochzeiten wurden. So begann ich zu verstehen, dass der Karneval im Valle dei Mòcheni kein einfacher Maskenball war, sondern ein uraltes und notwendiges soziales Ritual.
Wenn in der Inszenierung der Betchi das Testament verlesen wurde, wurden die Namen der Paare laut vorgelesen – zuerst die Jahrgangs- und Wehrpflichtigen, dann alle anderen. So wurde zwischen Spott und Scherz öffentlich gemacht, was entstand und während des Jahres noch im Schwebezustand blieb.
Aber wirklich verstanden habe ich den Karneval erst, als ich dem Umzug von Anfang bis Ende folgte. Nicht nur am Nachmittag auf dem Platz, wo viele Menschen und viel Durcheinander waren, sondern auch vorher, Haus für Haus.
Der Alte und die Alte hielten an den Haustüren und führten eine Art segensreiche Aussaat aus, als wären sie auf einem Feld. Die Familien stellten sich so eine Zukunft mit reichen Ernten, vollen Gemüsegärten und gut laufender Arbeit vor. Hinter dieser ausgelassenen Darstellung lag etwas sehr Ernstes: der kollektive Wunsch nach Überfluss und Fruchtbarkeit.
Danach kam der Pate, der „Oiartroger“, mit der Kiste auf den Schultern. Darin lagen die von den Familien gespendeten Eier, in Sägemehl gebettet, damit sie nicht zerbrachen. Jedes Haus ließ einige zurück, und diese Eier wurden später symbolisch zu Kuchen verarbeitet, die gebrochen und direkt aus den Pfannen an alle verteilt wurden.
Das ist Fruchtbarkeit im Tal: dass es an nichts fehlt, dass niemand allein bleibt und dass das kommende Jahr stärker sein möge als das, das zu Ende geht.