Santa Giustina See - Der große Staudamm im Tal der Canyons
- Besichtigung des Castello di Cles, das den See überragt
- Ein Ausflug mit dem Kajak durch die Canyon
- Ein Spaziergang durch den historischen Obstgarten von Cles
Im Herzen des Val di Non (Nonstal) zeigt sich der Santa Giustina-See als weitläufiger Wasserspiegel, eingebettet zwischen mit Apfelbäumen bepflanzten Hängen, Wäldern und kleinen Ortschaften. Entstanden in den 1950er-Jahren mit dem Bau der Staumauer am Fluss Noce, ist er heute ein wichtiger Bezugspunkt für Energiegewinnung, Bewässerung und Freizeit. Seine Ufer wechseln zwischen steilen Abschnitten und sonnigen Ebenen, auf denen ausgestattete Grünflächen, Aussichtspunkte und Zugänge zum Wasser entstanden sind. Rund um den See liegen Orte wie Cles und Revò, Wege entlang der Canyonränder und Pfade, die hinab zu der alten, in der Schlucht verborgenen Einsiedelei führen. Es ist ein Ort, der dazu einlädt, sich Zeit zu nehmen, die Veränderungen des Wasserstands zu beobachten und die unterschiedlichen Nuancen der Landschaft in Ruhe zu entdecken.
Überblick
Der Santa Giustina-See ist das größte künstliche Becken des Nonstal, entstanden durch die Aufstauung des Flusses Noce. Die über 150 Meter hohe Staumauer formte eine langgestreckte Wasserfläche, die dem Verlauf des Tals und seiner Schluchten folgt. Entlang der Ufer wechseln sich landwirtschaftlich genutzte Flächen, Wälder und felsige Hänge ab – mit Ausblicken, die sich je nach Jahreszeit und Wasserstand verändern.
Die Geschichte des Ortes ist sowohl mit der Wasserkrafttechnik als auch mit dem bäuerlichen Leben des Tals verbunden. Wenn der Wasserspiegel sinkt, tauchen alte Brücken, Straßenabschnitte und Mauerreste auf – Spuren der Landschaft, wie sie vor dem Stausee aussah. Auf den Höhen erzählen die Ortschaft Cles und ihr Schloss von einer weiter zurückreichenden Vergangenheit mit archäologischen und römischen Zeugnissen. Am Grund der Schlucht erinnern hingegen die Ruinen der Einsiedelei Santa Giustina an die spirituelle Dimension dieses Abschnitts des Noce.
Sehenswertes
Staumauer von Santa Giustina
Die Staumauer von Santa Giustina ist das infrastrukturelle Herz des Sees und eines der prägendsten Elemente der Landschaft. Sie ist von der Staatsstraße 43 bei Dermulo aus erreichbar und befindet sich an einer der engsten Stellen der Noce-Schlucht. Von der Straßenbrücke aus blickst du auf der einen Seite auf das weite Becken und auf der anderen auf den tiefen Abgrund des Talgrunds, wo sich die Schlucht unter dir verengt. Die Anlage ist seit den 1950er-Jahren in Betrieb, dient bis heute der Stromerzeugung und reguliert die starken Schwankungen des Wasserstands im Jahresverlauf. Ein Ort, an dem technische Dimension, Flusskraft und kultivierte Hänge zusammenkommen.
Schloss Cles
Am linken Ufer des Sees erhebt sich das Schloss Cles auf einem Hügel, der das Wasser und das umliegende Tal überblickt. Schon von Weitem ist es durch seine isolierte Lage und die Mauern erkennbar, die mit den darunterliegenden Apfelplantagen in Dialog treten. Das Schloss gehörte der alten Familie Cles und ist mit der Persönlichkeit des Fürstbischofs Bernhard von Cles verbunden, der zur Entwicklung von Cles und seiner Pfarrkirche beitrug. Auch wenn das Innere nicht immer zugänglich ist, lohnt sich der Weg wegen des Blicks auf den See, die entfernte Staumauer und die Berge am Horizont. Es ist eines der Elemente, die dem Landschaftsbild des Sees seinen unverwechselbaren Charakter verleihen.
Cles und der Dos di Pez
Cles ist das wichtigste Zentrum des Tals mit Blick auf den See. In der Altstadt sticht der Palazzo Assessorile hervor, in dem eine Reproduktion der Tabula Clesiana ausgestellt ist – ein römisches Dokument, das die Bedeutung dieses Gebiets bereits in der Antike belegt. Unweit des Ortskerns führt ein kurzer Spaziergang zum Dos di Pez, der Panoramaterrasse über dem See. Von hier öffnet sich der Wasserspiegel in seiner ganzen Länge, mit dem Schloss im Vordergrund und der Bahnlinie, die sich durch die Apfelplantagen zieht. Ein leicht erreichbarer Punkt, ideal, um sich einen Überblick über das Gebiet zu verschaffen, bevor man zu den Ufern hinabsteigt.
Flusspark Novella und die Schluchten von Santa Giustina
Am westlichen Ufer des Sees, zwischen den Gemeinden Romallo, Cloz und Dambel, erstreckt sich der Flusspark Novella – ein geführter Weg, der dem Canyon folgt, den der Bach Novella vor seiner Mündung in den Stausee gegraben hat. Hängestege, Felstunnel und Waldabschnitte ermöglichen es, die senkrechten Wände aus nächster Nähe zu erleben und die Wirkung des Wassers zu beobachten. Einige Bereiche sind nur im Rahmen geführter Besichtigungen zugänglich, andere lassen sich selbstständig auf markierten Wegen erkunden. Es ist eine der charakteristischsten Erfahrungen rund um den See, da sie Flusslandschaft, Geologie und die unmittelbare Wahrnehmung der Schluchten miteinander verbindet.
Einsiedelei Santa Giustina
Am Fuß der Staumauer, verborgen in der Noce-Schlucht, liegen die Überreste der Einsiedelei Santa Giustina. Von Dermulo aus führt ein Weg zwischen Apfelplantagen hinab, der zunehmend steiler wird und schließlich die Ruinen erreicht, die von einer natürlichen Felshöhle geschützt sind. In der Vergangenheit lebte hier ein Einsiedler, begleitet von einer kleinen Kirche und Nebenräumen, die heute nur noch an den Mauerresten erkennbar sind. Geht man noch wenige Minuten weiter, gelangt man zu einer Brücke über den Wildbach, mitten im Canyon. Die Umgebung ist still, mit hohen Felswänden und dichter Vegetation – ein Szenario, das erahnen lässt, warum dieser Ort einst der Zurückgezogenheit gewidmet war.
Le Plaze und der Radicosauro
Am südöstlichen Ufer des Sees erstreckt sich die Grünfläche der Plaze, die bequem mit dem Auto erreichbar ist. Hier findest du eine große Wiese, die zum Wasser hin abfällt, einen kleinen Sandstrand, eine saisonale Bar, einen Spielplatz und Flächen für Outdoor-Aktivitäten. Es ist einer der wenigen Abschnitte mit einfachem Zugang zum See und eignet sich auch für einen ganzen Tag Aufenthalt. In derselben Gegend befindet sich der Radicosauro, eine große Skulptur aus entlang der Ufer gesammelten Wurzeln. Ihre Silhouette, die je nach Wasserstand teilweise oder vollständig sichtbar ist, verleiht der Landschaft ein zeitgenössisches und ungewöhnliches Element.
Aktivitäten
Der Santa Giustina-See bietet je nach Jahreszeit und Reisestil unterschiedliche Möglichkeiten.
Für Wasserliebhaber stehen vor allem Kanu und Kajak in den Schluchten zur Verfügung, die hinauf zum Bach Novella und zu anderen Zuflüssen führen. Einige Outdoor-Zentren organisieren geführte Touren, die auch für Einsteiger und Familien mit Kindern geeignet sind. Beim Paddeln zwischen den Felswänden wirkt der See wie ein steinerner Korridor mit Lichtspielen und Spiegelungen auf dem Wasser.
Im Bereich der Plaze kannst du einen ruhigeren Tag verbringen, mit Lesen im Schatten der Kiefern, kurzen Spaziergängen am Ufer und Zeit auf der Wiese. Hier ist es möglich, Kajaks, SUPs und in manchen Zeiträumen Liegen und Sonnenschirme zu mieten. Das Baden ist geregelt und an die Vorgaben des Stauseebetreibers gebunden: Es ist wichtig, die aktuellen Hinweisschilder vor Ort zu beachten und sich an die freigegebenen Zonen zu halten.
Wenn du lieber zu Fuß unterwegs bist, findest du rund um den See Wanderwege, die Cles, die Orte an den Hängen und verschiedene Aussichtspunkte verbinden. Die vollständige Umrundung des Stausees ist lang und eher für geübte Wanderer geeignet, doch du kannst kürzere Abschnitte wählen, etwa mit Start in Tassullo, Dermulo oder Revò. Spaziergänge zwischen den Apfelplantagen sind auch für Familien empfehlenswert, besonders im Frühling, wenn die Blüte das Gesicht des Tals verändert.
Für Paare bieten der Dos di Pez bei Sonnenuntergang oder ein abendlicher Aufenthalt an den Plaze ruhige Kulissen mit Blick auf das Wasser und die Lichter der Dörfer. Sportlich Aktive finden hingegen gute Bedingungen zum Training mit Kajak, SUP und – wo vorgesehen – mit Ruderbooten.
Anreise
Mit dem Auto erreichst du den Santa Giustina-See über die Staatsstraße SS 43 durch das Nonstal. Von Trient aus folgt man dem Tal in Richtung Cles; unterwegs weisen mehrere Abzweigungen zu den Zugängen zur Staumauer, nach Dermulo, zu den Plaze und zu den Ortschaften entlang der Ufer. Von Norden und Westen gelangt man über das Val di Sole (Brücke von Mostizzolo) oder über die Pässe aus den Nachbartälern, jeweils mit Beschilderung nach Cles oder Fondo.
Mit dem Zug verbindet die Lokalbahn Trient–Malé–Mezzana Trient mit vielen Orten im Nonstal. Die Bahnhöfe Dermulo, Tassullo, Cles und weitere kleinere Halte ermöglichen eine Annäherung an den See, von wo aus man zu Fuß oder mit lokalen Bussen zu den Sehenswürdigkeiten weiterfahren kann.
Mit dem Bus bestehen regelmäßige Verbindungen zwischen Trient, dem Val di Sole und den wichtigsten Orten des Tals mit Cles und den Dörfern am See. Die Fahrten sind an Werktagen häufiger, daher empfiehlt es sich, die Fahrpläne im Voraus zu prüfen.
Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, kann über Nebenstraßen zwischen den Apfelplantagen und einige Schotterwege angenehme Verbindungen nutzen, muss jedoch mit Anstiegen rechnen. Es ist ratsam, sich vor der Tour über die Befahrbarkeit der Strecken zu informieren, wenn mehrere Punkte rund um den See eingeplant sind.
Weitere praktische Informationen
Das Klima am Santa Giustina-See entspricht dem einer inneralpinen Tallage: Sommer sind meist mild, mit warmen, oft windigen Tagen, und Winter kalt, mit möglichem Frost und Schnee an den Hängen. Frühling und Herbst bieten reizvolle Licht- und Farbstimmungen, können jedoch niederschlagsreicher sein.
Touristische Dienstleistungen konzentrieren sich vor allem in Cles, in den umliegenden Ortschaften und im Bereich der Plaze, wo saisonale Bars, Picknickplätze, sanitäre Anlagen und Parkmöglichkeiten vorhanden sind. Einige Stellplätze für Autos und Camper sind kostenpflichtig, andere frei zugänglich, jedoch ohne Anschlüsse oder Entsorgungsmöglichkeiten.
Die Barrierefreiheit variiert je nach Bereich: Panoramaterrassen wie der Dos di Pez und ausgestattete Grünflächen bieten bequemere Wege, teilweise eben und auch für Personen mit eingeschränkter Mobilität geeignet. Die Pfade zur Einsiedelei Santa Giustina oder entlang der Schluchten hingegen sind steil und uneben und erfordern Trittsicherheit sowie geeignetes Schuhwerk.
Die Schwankungen des Wasserstands sind deutlich spürbar und beeinflussen den Zugang zum Wasser, das Auftauchen von Brückenresten und die Organisation von Kajakaktivitäten. Es ist daher immer empfehlenswert, sich vor Ort über die aktuellen Bedingungen zu informieren.