Geigenwald
- Resonanzfichten
- Verbindung zur Cremoneser Geigenbaukunst
- Wanderwege im Naturpark Paneveggio
Der Geigenwald ist das grüne Herz des Val di Fiemme, im Naturpark Paneveggio gelegen. Hier wachsen die Resonanzfichten, Bäume, die seit Jahrhunderten von italienischen und europäischen Geigenbauern ausgewählt werden, um Klangdecken für Violinen, Bratschen, Violoncelli und Klaviere herzustellen. Einer Legende nach durchstreifte auch Stradivari diese Wälder auf der Suche nach den geeignetsten Stämmen. Heute kannst du zwischen hohen, gleichmäßig gewachsenen Bäumen wandern, einfachen Wegen folgen und Informationstafeln entdecken, die erklären, wie Klang im Holz entsteht. Die Landschaft trägt auch die Spuren des Sturms Vaia, doch der Wald erzählt weiterhin eine Geschichte von Pflege, Forstarbeit und Musik, die weit über diese Berge hinaus klingt.
Geschichte und Beschreibung
Der Geigenwald erstreckt sich zwischen Paneveggio, dem Val Venegia und den Wäldern der Magnifica Comunità di Fiemme. Es handelt sich überwiegend um einen Fichtenwald, der seit Jahrhunderten mit sorgfältigen Forstplänen bewirtschaftet wird, um gerade, wenig astige und langsam wachsende Bäume zu fördern. Diese Bedingungen, zusammen mit Sonneneinstrahlung und einem ausgewogenen Verhältnis von Feuchtigkeit und Temperatur, verleihen dem Holz eine besondere Resonanzfähigkeit.
Bereits seit dem 17. Jahrhundert kamen die Meistergeigenbauer aus Cremona in diese Gegend, um persönlich Stämme mit besonders feinen und regelmäßigen Jahresringen auszuwählen. Die Fällung erfolgt bis heute bei abnehmendem Mond, zwischen Oktober und November, wenn der Saftgehalt geringer und das Holz stabiler ist. Nur ein sehr kleiner Teil der Fichten – wenige Exemplare pro hundert – besitzt die Eigenschaften, die für den Instrumentenbau geeignet sind. Der übrige Wald erfüllt weiterhin seine Funktion als Produktions- und Landschaftswald, durchzogen von Bächen, Stegen und Lehrpfaden.
Sehenswertes
Sentiero Marciò im Geigenwald
Der Sentiero Marciò ist einer der zugänglichsten Wege, um den Geigenwald vom Besucherzentrum Paneveggio aus kennenzulernen. Es handelt sich um einen Rundweg mit geringem Höhenunterschied, der auch für Familien geeignet ist und durch den Fichtenwald entlang des Travignolo-Bachs führt. Entlang des Weges findest du Informationstafeln zur Forstgeschichte, zur Tierwelt und zu den Resonanzfichten. Besonders eindrucksvoll sind zwei Stellen: eine überdachte Holzbrücke und eine Hängebrücke, die einen nahen Blick auf Stromschnellen und Wasserfälle ermöglicht. Hier lassen sich Baumstämme, Rinde, Spechtspuren und mit etwas Glück Eichhörnchen beobachten. Schritt für Schritt wird deutlich, wie ein Baum zum Musikinstrument werden kann.
Bosco che Suona
In den Wäldern oberhalb von Predazzo, die mit der Tradition des Geigenwaldes verbunden sind, befindet sich der Bosco che Suona, ein Themenweg zum Zusammenspiel von Musik und Resonanzbäumen. Im Sommer wählen Musiker einzelne Fichten aus, die markiert und in einen ausgeschilderten Rundgang eingebunden werden. Entlang des Weges kannst du über eine spezielle App Musikstücke renommierter Interpreten hören, Etappe für Etappe. Der Weg ist leicht begehbar und führt durch hohe Fichten sowie zu einer großen, jahrhundertealten Lärche, dem „Hüter des Waldes“. Die Erfahrung macht spürbar, wie das Holz dieser Bäume, once verarbeitet, weiterhin Schwingungen und Klänge in Orchestern auf der ganzen Welt überträgt.
Wildgehege der Hirsche in Paneveggio
Direkt neben dem Geigenwald, nahe dem Besucherzentrum von Paneveggio, befindet sich das Wildgehege der Hirsche. Hier leben einige Tiere unter halbnatürlichen Bedingungen und können von Stegen und Beobachtungspunkten aus gesehen werden. Besonders Familien mit Kindern schätzen diesen Besuch, da er eines der symbolträchtigsten Tiere des Tals näherbringt. Im Herbst, zur Zeit der Brunft, wird die Präsenz der Hirsche in den umliegenden Wäldern noch deutlicher. Das Gehege ergänzt die Waldwege und vermittelt ein umfassenderes Bild des Ökosystems, in dem die Resonanzfichten wachsen.
Val Venegia und die Fichten Stradivaris
Das Val Venegia, eingebettet zwischen den Hängen des Naturparks Paneveggio, zählt zu den Orten, die mit der Geschichte der Stradivari-Fichten verbunden sind. Der Sturm Vaia hat hier deutliche Spuren hinterlassen, doch es bestehen weiterhin Waldbereiche mit für den Geigenbau geeigneten Fichten. Das Tal ist über einfache Wanderwege und Forststraßen erreichbar, die oft bei den Almen der Region beginnen. In den letzten Jahren fanden hier Open-Air-Konzerte mit Streichorchestern aus Cremona statt – fast so, als kehre die aus dem Holz entstandene Musik in ihren Ursprung zurück. Beim Wandern durch Wiesen, Bäche und Waldstücke wird der Zusammenhang zwischen Forstpflege, musikalischem Handwerk und Landschaft spürbar.
Praktische Informationen
Öffnungszeiten
Der Geigenwald ist ein frei zugängliches Naturgebiet und kann zu jeder Jahreszeit besucht werden, abhängig von Wetter- und Schneeverhältnissen. Das Besucherzentrum Paneveggio und das Wildgehege der Hirsche haben hingegen saisonale Öffnungszeiten, mit längeren Öffnungen im Sommer und zu bestimmten Feiertagen. Vor der Planung empfiehlt es sich, die aktuellen Zeiten auf der Website des Naturparks Paneveggio – Pale di San Martino oder bei den Tourismusbüros im Fleimstal zu prüfen.
Eintritt und Preise
Der Zugang zu den Wegen im Geigenwald ist in der Regel kostenlos. Für das Besucherzentrum, das Wildgehege der Hirsche sowie für geführte Aktivitäten oder besondere Veranstaltungen können Eintrittspreise oder Beiträge anfallen. Im Sommer werden häufig begleitete Führungen, Familienworkshops und Abendveranstaltungen angeboten, deren Kosten variieren. Im Bereich des Bosco che Suona ist die Nutzung der App meist kostenlos, während geführte Touren von den Veranstaltern festgelegte Preise haben. Für aktuelle Informationen empfiehlt sich ein Blick auf die offiziellen Kanäle des Parks und der Tourismusorganisation.
Parkmöglichkeiten
Die wichtigsten Zugänge zum Geigenwald verfügen über ausgeschilderte Parkplätze. In Paneveggio gibt es Stellplätze in der Nähe des Besucherzentrums und des Einstiegs zum Sentiero Marciò. Für den Bosco che Suona erreichst du mit dem Auto die Ortschaft Paluat oberhalb von Predazzo, wo sich ein Parkplatz befindet, von dem aus der kurze Weg zum musikalischen Rundgang beginnt. In der Hochsaison und an Wochenenden kann der Andrang hoch sein, daher empfiehlt es sich, früh am Tag oder zu weniger frequentierten Zeiten anzukommen.
Anreise
Der Geigenwald ist über das Fleimstal erreichbar. Mit dem Auto folgt man der Staatsstraße von der Autobahnausfahrt Ora/Egna ins Tal und fährt weiter Richtung Predazzo, anschließend den Hinweisen zum Naturpark Paneveggio und zum Passo Rolle. Das Besucherzentrum Paneveggio liegt direkt an der Straße zum Pass. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln verkehren im Sommer und Winter Buslinien, die die Orte des Tals mit Paneveggio und den wichtigsten Ausgangspunkten der Wanderwege verbinden. Für den Bosco che Suona startet man in Predazzo und folgt der Straße Richtung Miola und Valmaggiore bis zum Parkplatz mit den geigenförmigen Hinweisschildern.
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Für Familien